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Magische Methoden in den Tantras




Dunkler Buddha, gemalt von Bhagamalini, Sammlung HP


Unter Hexe oder Magier verstehe ich hier Menschen, die durch systematische Disziplin versuchen, magische Kräfte zu erlangen und ihren wahren Willen zu finden, oder solche, deren Versuche bereits von Erfolg gekrönt worden waren. Ich verstehe darunter nicht Menschen, die ab und zu ein Ritual machen oder Tarot-Karten legen - das kann natürlich ein guter Anfang sein. Es ist im Westen wenig bekannt, dass Yogini nicht nur die weibliche Form von Yogi ist, sondern viel mehr für Frauen (oder weibliche Geister) mit magischen Kräften steht, die indische Yogini (oder im buddhistischen Kontext Dakini) entspricht der europäischen Hexe, ebenso der indische Siddha dem europäischen Magier.

Betrachtet man die Geschichte der Magie im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, so zeigt sich zunächst eine starke Monotheismus-Lastigkeit, die wiederum auf noch älteren Quellen beruht, zum Beispiel den magischen Schriften von Agrippa von Nettersheim. Vor allem waren die Lehren der jüdischen Kabbala auch für nicht-jüdische Magier bedeutend geworden, davon abgeleitet die Idee des Aufstiegs von der untersten Sephira Malkuth bis zur höchsten in Kether. Diese Grundideen wurden von Aleister Crowley zu einer vorläufigen Perfektion gebracht. In Crowleys Orden, vor allem im A. A., ging es präzise zu, zumindest zu seinen Lebzeiten. Jede Stufe des Aufstiegs, zugleich jeder Grad im Orden (entsprechend den zehn Sephiroth), war mit immer schwieriger werdenden Prüfungen verbunden, intellektuellen Prüfungen, Prüfungen der yogischen Fähigkeiten (etwa eine Stunde bewegungslos in einem Asana sitzen), Prüfungen der magischen Fähigkeiten, etwa der Hellsichtigkeit oder der Fähigkeit, unerwünschte Einflüsse deutlich merkbar zu bannen. Die magische Philosophie dahinter, ein wildes Gemisch, viel mehr von Crowleys persönlichem Innenleben geprägt als die rein technischen Darlegungen und Übungen, will ich hier nicht näher untersuchen. Was jedenfalls fehlt in dem komplexen Konglomerat aus jüdischer, ägyptischer, christlicher und griechisch-römischer Magie, welches als die westliche magische Tradition bezeichnet wird, ist die Sichtweise von Leerheit und Nondualiät. Crowley hatte ein durchaus tiefes Verständnis davon, wie seine Aussagen über indisches Yoga oder den chinesischen Taoismus zeigen, und vor allem sein Meisterwerk Liber 333, "The Book of Lies", aber letztlich hat er sich über den Monotheismus nie ganz erhoben, nicht zuletzt, was seine eigene Funktion betraf.

Diese so aufgefasste "Westliche Tradition" stammt eigentlich aus dem Nahen Osten, die wirklich westlich-europäische Tradition wäre die heidnische, germanische, keltische und slawische Magie. Diese ist noch nicht von so genannten Hochreligionen beeinflusst, sondern schöpft ihre Kraft aus unmittelbarer Trance und Versenkung in die Natur.

Erst in den 80ern des 20. Jahrhunderts begann die Szene sich einerseits der asiatischen, nondualen, nicht-monotheistischen Mystik zuzuwenden, und sich andererseits von der monotheistischen Dogmatik von Crowley abzuwenden (namentlich Peter Carrolls IOT), damit einhergehend begann ein Interesse für die indischen Tantras zu reifen. Diese werden als Weg zur nondualen Mystik verstanden, gleichzeitig zu Siddhis führend, also zu magischen Kräften. Für Magier ist es allerdings oft sehr schwierig, die Darlegungen tibetischer Lamas oder indischer Gurus zu verkraften, zu viel Unsinn über Gut und Böse, besonders das stets drohende böse Karma wird da daher geredet, zu viel Rein und Unrein, Wahr und Falsch, Erlaubt und nicht Erlaubt. Auch ist für jede Hexe, die einmal ein paar Jahre in einem strikten Gradsystem mit Prüfungen sozialisiert wurde, unschwer zu erkennen, dass die weitaus meisten Mitglieder von tibetisch oder indisch geführten Gruppen auch nach jahrelanger Praxis noch immer nichts können, außer reden, wie toll ihre Lehre und vor allem ihr Guru ist, und da fragt sich die Hexe eben: Wozu soll ich mir das antun?


Magie im ursprünglichen Tantra

Die tantrischen Texte sind voller ausführlich beschriebener magischer Praktiken, eine Tatsache, die im Westen noch sehr wenig bekannt ist. Dieser Umstand liegt einerseits darin begründet, dass die Anhängerinnen des Neo-Tantra davon meistens nichts wissen oder nichts wissen wollen. Traditionelles Tantra wird im Westen andererseits hauptsächlich von tibetischen Lamas gelehrt (buddhistisches Tantra), echtes Hindu-Tantra spielt im Westen eine marginale Rolle. Lamas pflegen sich über die magischen Anwendungen nur sehr bedeckt oder überhaupt nicht zu äußern, nicht selten findet man unter den westlichen Übenden sogar die Ansicht, dass Siddhis irgendwie schädlich wären, das böse Ego vergrößern würden und so weiter - die Lamas allerdings arbeiten ständig mit Siddhis, abgesehen davon, dass in den Quelltexten andauernd die Rede davon ist. Für so einen Lama-Schüler reicht es, wenn der Lama Siddhis hat, aber für eine Hexe ist das natürlich zu wenig.


Ein kurzer Überblick, was es für magische Praktiken in den Tantras gibt:
  • Naturmagische Verfahren, die aus der indischen Magie stammen, sehr ähnlich den europäischen heidnischen Methoden, zum Beispiel durch Verwendung von Kräutern und anderen Substanzen, den Mondphasen, Farben und Düften, dazu kommt eine große Zahl von Zaubersprüchen aller Art.

  • Durch Visualisation von bestimmten tantrischen Gottheiten und dem Gebrauch von Mantras über einen längeren Zeitraum wird eine spezifische Kraft generiert (d. h. bei jeder Gottheit ergeben sich unterschiedliche Fähigkeiten), danach kann diese Kraft angewandt werden, nicht selten auf äußere Ziele. Dazu werden sogenannte Aktivitäts-Mantras benutzt oder spezielle Riten ausgeführt, zum Beispiel für die sogenannten vier magischen Buddha-Aktivitäten:
    • Weiße Aktivität, beruhigend, heilend, versöhnend, klärend
    • gelbe Aktivität, vermehrend (Wissen und Einfluss), bereichernd, ausdehnend
    • rote Aktivität, anziehend, kontrollierend, unterwerfend
    • schwarze Aktivität, zerstörend, Entfernen von Hindernissen, Dinge endgültig abschließen

  • Es gibt sogar Bücher in Sanskrit und Tibetisch, die magischen Praktiken großen Raum geben, sehr ähnlich den europäischen magischen Grimorien, da findet man dann allerlei Rezepte, wie einen Dieb zur Rückgabe des Gestohlenen zu zwingen oder sich vor wilden Tieren zu schützen, im Mittelpunkt dieser Werke steht immer eine tantrische Gottheit.

  • Yoga-Übungen wie zum Beispiel die "Sechs Yogas von Naropa" führen zu zahlreichen Siddhis, etwa der Bewusstseinsübertragung (keineswegs nur im Todeszeitpunkt) oder der Traumkontrolle.

  • Schließlich gibt es noch eine große Anzahl von Dienstgeistern, die durch Evokationen angerufen werden, Lehrbeschützer (Dharmapalas) genannt, mit diesen sind wiederum spezielle Praktiken verbunden. Es handelt sich dabei um fortgeschrittene Übungen, weil die Yogini sich dabei per Invokation als tantrische Gottheit erzeugt, bevor sie den Schützer beschwört. Das ganze ist sehr ähnlich westlichen Systemen, zum Beispiel den Clavicula Salamonis oder der " Heiligen Magie des Abramelin", in der nach dem erfolgten Kontakt mit dem eigenen Schutzgeist die Dämonen in den eigenen Dienst gezwungen werden. In der Hindu-Magie wird in ähnlichem Zusammenhang gern mit Elementargeistern gearbeitet, zum Beispiel mit Nagas oder Yakshas.




Der Planeten-Dämon Rahula, auf einem Drachen reitend, ein Dharmapala


Wie können mit Hilfe der Tantra magische Kräfte erlangt werden?

Ich biete eine Ausbildung in den Tantras, die die Entfaltung von Siddhis anstrebt, verbunden mit einer Dokumentation, Selbst-Reflexion und eindeutigen Resultaten, wie man das als strebende Hexe gewohnt ist. Ich kann für viele tantrische Lehrzyklen, welche magische Praktiken enthalten, die erforderlichen Einweihungen und Instruktionen geben. Unter den Magiern und Hexen gibt es etliche, die solche Dinge aus Büchern praktizieren, aber damit kommen viele bald an bestimmte Grenzen. Weniger wegen der viel beschworenen Gefahren, sondern weil durch die Einweihung eine Verbindung zur Wurzel dieser Energie hergestellt wird, die anders nicht hergestellt werden kann. Das kann am besten eine Person machen, welche ihrerseits die Einweihung erhalten und erfolgreich praktiziert hat, und so weiter die Überlieferungslinie zurück (wobei ich mir der Probleme solcher Linien sehr bewusst bin).

Ich habe selbst die hohe Effektivität der Hauptübungen, besonders des so genannten tantrischen Gottheitenyoga, erfahren können. Ich bin in der Lage, so eine Ausbildung an die Bedürfnisse von Praktizierenden der westlichen magischen Tradition anzupassen, weil ich selbst viele der dort üblichen Verfahren geübt habe. Ich arbeite völlig undogmatisch, ich habe ein Faible für richtige, klare, bevorzugt mathematisierte Wissenschaft, ich vermittle Übungsysteme, die zu definierten Resultaten führen. Nur Erfahrung und Praxis zählen, nicht das Glauben irgendwelcher unbeweisbarer Dinge, etwa was in der Todesstunde angeblich passieren wird. Ich bin kreativ oder anders ausgedrückt niemand, der sich nur im Schutz einer "Tradition" wohl fühlt, daher bin ich an Neu- und Weiterentwicklung der tantrischen Lehren interessiert. Auch an möglichen Kombinationen der Tantras und westlicher Magie. Eine ganz andere Sache, die mich besonders interessiert, ist "Zos Kia", die Magie von Austin Osman Spare, welcher meiner Meinung nach eine sehr tiefe Einsicht in die nondualen Lehren der asiatischen Mystik hatte, wie es scheint, ohne einen Lehrer aus so einer Tradition aus sich selbst heraus entwickelt. Da es in deutscher Sprache an sinnvollen Erläuterungen von Zos Kia mangelt, die über das Herstellen und Aktivieren von Sigillen hinaus gehen, habe ich dazu einen Text verfasst:

Hexenkunst und Hexenkraft - Die magischen Methoden von Austin Osman Spare


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