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Autonome Magie

Einige vorläufige Feststellungen zu meiner magischen Philosophie




Die nonduale Sichtweise

Mystik ist das Verständnis und die Erkenntnis der tieferen Ebenen der Natur und des menschlichen Bewusstseins, die individuelle Lösung der Frage nach dem Sinn der Dinge, die wir in unserem Bewusstsein vorfinden sowie die Frage nach dem Ziel unseres Lebens oder der Natur als Ganzes. Magie ist die konkrete Anwendung der Macht, die aus dem Verständnis der Gegebenheiten erwächst, um gewünschte Veränderungen zu bewirken oder zu fördern.

Die Mystik der alten Völker ist nondual, also ohne Glauben an ein personifiziertes all-herrschendes Prinzip, einen Gott über den Göttern. Der Umgang mit den einzelnen Göttern als Personifikationen bestimmter Naturkräfte ist sehr pragmatisch, das sieht man aus vielen Geschichten, in denen die Götterbilder entehrt oder zerstört wurden, wenn die Götter nicht wunschgemäß wirkten, oder indem die Gottheit einfach gegen eine andere ausgetauscht wurde, von der man sich mehr Wirkung versprach. Später kam es zur Entwicklung der monotheistischen Religionen, die dualistisch sind, weil sie zwischen göttlich und nicht-göttlich oder zwischen gottgefälligem und verbotenem Verhalten unterscheiden.

Die nonduale Sichtweise war keineswegs nur spezialisierten Personen zugänglich, sondern allgemein bekannt. Ungebrochen kann sie nur noch bei gewissen Naturvölkern beobachtet werden, die zum Beispiel noch telepathische Kontakte mit Selbstverständlichkeit und ohne besondere Vorkehrungen wahrnehmen, was mit einem Bewusstsein zusammenhängt, welches nicht die gleiche scharfe Grenze zwischen Innen und Außen zieht wie das bei uns meistens der Fall ist. Diese Völker sind dem Untergang geweiht, diese letzte unmittelbare Verbindung mit dem Bewusstsein der Urzeit wird genauso verloren gehen, wie die Magie der alten europäischen Völker spätestens in der Neuzeit durch christliche Herrscher fast vollständig zerstört wurde. Merkwürdigerweise war der Beginn der Neuzeit auch die Zeit der Hexenverfolgungen, aber echte Hexen, deren Kraft unmittelbar aus der Natur kam, gab es zu dieser Zeit wohl nur noch wenige.

Mehr über meine Ideen zur Nondualität vom magischen Standpunkt steht in dem Artikel: Nondualität für Adeptinnen

Die alten Völker kannten keine Trennung zwischen Magie und Mystik, das Wissen und die konkrete Anwendung lagen nahe beisammen. Selbst in viel späteren Zivilisationen lässt sich diese Ungetrenntheit noch finden, es gab zwar spezialisierte Priester und Seher, aber bei den indischen Brahmanen ist jeder sein eigener Priester und führt auch magische Handlungen durch, ebenso oblagen bei den alten Römern dem Familienhaupt gleichzeitig gewisse priesterliche Funktionen.

Die alte Magie war ganz im Sinn der nondualen Sichtweise niemals von einer höheren Entität abhängig, häufig wurde sogar auf jegliche Vermittlung durch ein anderes geistiges Wesen verzichtet und das gewünschte Resultat direkt angepeilt. Die alten Zauberer wandten sich nicht an "Gott", um bei Trockenheit Regen zu erzeugen, sondern sie machten einfach Regen. Eventuell durchaus mit einem Regengott, von dem man aber glaubte, dass er auf bestimmte Handlungen mit Regen antwortet. Das ist "Willkürlicher Glaube", etwas ganz anderes als der Glaube der Offenbarungsreligionen. Wir sind durch jahrhundertelang herrschende dualistische Lehren soweit von den Quellen der Kraft abgeschnitten, dass wir uns das gar nicht mehr vorstellen können, selbst über die Kraft zu verfügen, statt sie sich anderswo auszuborgen. Das gewöhnliche Ego ist allerdings tatsächlich meistens nicht in der Lage, ernsthafte magische Wirkungen zu erzielen, nur ein erweitertes, höheres Selbst ist dazu in der Lage. Dieses kann etwa durch Meditation in wilder möglichst unberührter Natur gewonnen werden, es gibt aber noch viele andere Verfahren.




Entitätenfreie Magie

Das bedeutet, dass auf Vermittlung von Geistern, Göttern, Dämonen oder anderen subtilen Entitäten (Wesenheiten) verzichtet werden kann. Diese Möglichkeit wurde, nach jahrhundertelanger Vergessenheit (zumindest in Europa), von dem englischen Künstler und Magier Austin Osman Spare (1886-1956) wieder aufgezeigt. Spare entwickelte eine Methode, die Sigillenmagie, welche zur direkten Erfüllung von Wünschen oder zur Steuerung von Ereignissen dient. Dabei wird der Wunsch in ein dem Bewusstsein nicht verständliches grafisches oder akustisches Symbol verwandelt, dann durch einen Trancezustand aktiviert und unmittelbar danach vollständig aus dem Bewusstsein gebannt, das wird auch als "Vergessen" bezeichnet. Das gewünschte Resultat manifestiert sich nach einiger Zeit spontan, häufig auf unerwarteten Wegen. Diese Form der Magie ist äußerst vielseitig und universal anwendbar, zumal alle zeit- und kulturbezogenen Begrenzungen wegfallen. Es mag ja keltische oder germanische Götter geben, welche die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit fördern, in einem mittelalterlichen Grimorium kann ich vielleicht einen Dämon finden, der mich Schätze entdecken lässt, aber was mache ich, wenn mein Computer rätselhafte Reaktionen zeigt, welcher Gott wird mir da helfen? Mit Sigillen kann man versuchen, Dinge zu beeinflußen, deren Existenz in den tradierten Verfahren nicht vorgesehen war.

Sigille können auch gut verwendet werden, um mit Schichten des eigenen Unbewussten in Kontakt zu treten, in denen verborgene Fähigkeiten schlummern, ohne dass man sich mit Wesenheiten aus äußeren Quellen einlässt, von denen man oft nicht ausreichend beurteilen kann, was sie eigentlich alles machen, wenn man sie hereinlässt. Das Weltbild vieler moderner Magier ist diesbezüglich von überraschend unreflektierter Schlichtheit. In der zeremoniellen Magie zum Beispiel ist das kleine Pentagramm-Ritual sehr bekannt, es kann etwa zum Bannen unerwünschter Einflüsse dienen. Man wiederholt dabei bestimmte hebräische Gottes- und Engelsnamen, während man Pentagramme in die Luft zieht. Aber damit überlasse ich mein Bewusstsein ja Kräften, die aus der Bibel und der jüdischen Mystik kommen, was mache ich, wenn ich das nicht will? Entitätenfreie Magie bedeutet, dass man auf vermittelnde Entitäten entweder ganz verzichtet, oder sie selbst zu einem definierten Zweck erzeugt (und wieder auflöst, nachdem sie ihren Dienst getan haben). Es ist natürlich auch möglich, mit vorgegebenen Entitäten zu arbeiten, zum Beispiel Göttern verschiedener aktiver oder ausgestorbener Religionen oder Geister-Formen aus magischen Büchern, aber man sollte sich nicht vollständig und für immer von solchen Entitäten abhängig machen.

Magie beruht häufig auf der von Frater V.D. geprägten Formel:

Magischer Akt = Wille + Imagination + Trance

Der Wille oder das gewünschte Resultat wird klar definiert, diese Definition wird in Form eines Gegenstands, Bildes, einer Substanz oder eines rein geistigen Bildes ausgedrückt, dann geht man zur Aktivierung in einen Trancezustand, wobei zwischen dämpfenden und erregenden Trancen unterschieden wird. Wenn der elefantenköpfige Gott Ganesh angerufen wird, um den Erfolg eines Zaubers zu sichern, handelt es sich um Arbeit mit einer vorgegebenen Entität. Stellt der Gegenstand die materielle Grundlage eines selbst geschöpften Geistes dar, wobei der Geist wieder aufgelöst wird, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat, handelt es sich um eine Entität begrenzter Dauer. Verwendet man nur ein Sigill, welches nach der Aktivierung zerstört und vergessen wird, so handelt es sich um eine Magie, die ganz frei von Entitäten ist.

Solitäre Magie

Manche magische Orden und bieten eine Form der Initiation an, welche mit einer Bewusstseinsübertragung verbunden ist. Darunter ist zu verstehen, dass schon durch die Einweihung eine dauerhafte Veränderung im Geist des/der Einzuweihenden stattfindet. Oft wird auch behauptet, dass solch eine Initiation unbedingt erforderlich ist, um überhaupt magische Kräfte zu erlangen. Das ist natürlich schon aus logischen Gründen unsinnig, weil irgend jemand muss es wohl aus eigener Kraft geschafft haben, oder glaubt jemand an Übertragungslinien, die bis zum Neandertaler zurückgehen? Dieser Jemand, von dem eine Linie der Initiation ausgeht, ist häufig eine Person, die im 19. oder 20. Jahrhundert gelebt hat. Der bedeutende englische magische Orden "Golden Dawn" verdankt etwa seine Informationen keineswegs, wie behauptet, einer alten Überlieferungslinie, sondern fleissiger Recherche in diversen Bibliotheken durch seinen Begründer, MacGregor Mathers. Mit allen anderen Dingen, die sich auf eine alte Legitimation berufen, sieht es ähnlich aus. Es gibt in Wirklichkeit keine alte europäische okkulte Tradition, die ihre Übertragungslinie in die heidnische Zeit zurück verfolgen kann. Ausgenommen sind gewisse sehr kleine Familien- bzw. Volkstraditionen (etwa in Italien, auf dem Balkan und im nördlichen Skandinavien) diese sind aber nur lokal bedeutsam und bewegen sich nur auf einer niederen Stufe. Etwas anders sieht es aus mit den Übertragungslinien des hinduistischen und buddhistischen Tantra, diese reichen nachweislich mehr als 1000 Jahre zurück, noch weiter zurück gehen die Yoga-Linien. Nun hatte zum Beispiel der Magier Aleister Crowley unter anderem bei einem Hindu(Yoga) Meister studiert, das System allerdings, in welches man eintritt, wenn man in einen von Crowley gegründeten Orden initiiert wird, stammt in der äußeren Hülle aus dem erwähnten Golden Dawn, im inneren Kern aus dem Unbewussten von Crowley selbst, den einen anderen Ursprung hat diese Energie nicht. Solitäre Magie bedeutet letztlich, dass man sich zutraut, in sich selbst durch eigenes Handeln die Kraft zu finden, das schafft von allen Anfang an eine völlige Unabhängigkeit, einhergehend allerdings mit absoluter Selbst-Verantwortung (das scheinen viele vermeiden zu wollen, die nach einer Initiation mit Bewusstseinsübertragung suchen).
Auf der anderen Seite muss man natürlich sehen, dass sehr viel von dem was heutzutage als Initiation bezeichnet wird, keine echte Einweihung darstellt. Initiationen, bei denen keinerlei oder nur eine symbolische Prüfung der Qualifikation stattfindet, sind höchstens Tore zu einer späteren Inititation – letztlich immer einer Selbstinitiation. Nur wir selbst können herausfinden, wer wir sind und was wir wollen, niemand kann uns das "übertragen".

Bei mehr oder minder öffentlich zugänglichen Einweihungen in Systeme tantrischer Gottheiten werden keine magischen Kräfte übertragen, sondern ein Tor in eine andere geistige Dimension wird geöffnet. Die Initierte kann danach durch beständige Praxis des übertragenen Systems zu magischen Kräften (im Sanskrit Siddhi) gelangen, ohne Praxis passiert gar nichts. Dieses System wird von manchen Lehrern benutzt, die spendenfreudigen Schüler mit immer neuen Rezitationen und Visualisationen zu beschäftigen, ohne dass es zu einem wirklichen Erkenntnisgewinn oder zur Manifesation von Siddhis kommt. Westliche Übende dieser Dinge begnügen sich nicht selten mit dem Wissen, dass ihr Meister Siddhis hat ...
Bei tibetischen Meistern ist das Verfahren der Bewusstseinsübertragung der Regelfall (allerdings meistens nur in den fortgeschrittenen Übungen, von denen die meisten Westler nie etwas erfahren), auf diese Weise entstehen dann lebenslange Abhängigkeiten, gesichert durch eine lange Reihe von Gelübden. Ich selbst gebe tantrische Einweihungen, aber es handelt es sich dabei um Tore in Felder von neuen Möglichkeiten, diese Einweihungen sind nicht mit dem Glauben an ein bestimmtes Weltbild verbunden oder einer Bewusstseinsübertragung, die so ein Weltbild verankert.




Naturreligion und Naturmagie

Naturreligion ist einfach die nonduale Sichtweise, ausgedrückt in ekstatischer Verehrung von Flüssen, Seen, Bäumen, Tieren, von Sonne, Mond und Sternen.
Naturmagie ist die Verwendung von Pflanzen, Tieren und Mineralien sowie anderen Naturphänomenen, etwa den Mondphasen, in der magischen Arbeit. So können etwa Heilkräuter durch magische Gesänge bei Vollmond aufgeladen werden, während andererseits durch Verwendung giftiger Substanzen, Blut und des abnehmenden Mondes ein Fetisch zum Schutz des eigenen Anwesens errichtet werden kann. Naturmagie wird in verschiedenen heidnischen rituellen Gruppen oder Hexenkreisen wieder neu belebt, es handelt sich um einfache sympathiemagische Methoden, die ebenfalls auf die Vermittlung durch höhere Entitäten weitgehend verzichten können.
Wir kennen heutzutage im Westen etwas, was sich als Schamanismus bezeichnet, häufig nur wenig mehr als in geschlossenen Räumern geübte Visualisationen und Rituale mit vorgegebenem Inhalt. Die grundsätzliche Erfahrung, durch die man zur Schamanin wird (oder zur Natur-Magierin, Hexe, wie immer man es bezeichnen will), entsteht durch sehr lange Aufenthalte in möglichst freier, wilder, unberührter Natur, mit möglichst wenigen Hilfsmitteln, radikal an die Grenzen gehend. Auf diese Weise kann die Ekstase der Urzeit wieder gewonnen werden und eine rohe, erdige, magische Kraft, die unabhängig ist von den religiösen Vorstellungen späterer Zivilisationen.

Zos Kia

Spare hat ein eigenes magisches System begründet, welches Zos Kia genannt wird. Dieses System ist völlig individuell und gleicht in vielerlei Hinsicht der Arbeit eines Künstlers (was Spare auch war). Die angehende Zauberin erlernt zwar irgendwo das Handwerk oder bringt es sich selbst bei, dann entwickelt sie aber ein eigenes System, welches genau ihren Bedürfnissen angepasst ist. Die Möglichkeiten dazu sind grenzenlos – vor allem wenn man bereit ist die eigenen Grenzen zu erkennen und zu überwinden.
Zos Kia verwendet Stelen als Tore zu anderen Dimensionen des Bewusstseins, das sind komplexe Zusammenstellungen von Sigillen und Symbolen. Sigille werden auch benutzt, um tierische Atavismen zu beleben, das bedeutet, dass die Hexe eine enge geistige Verbindung mit einem Tier schafft und dadurch spezifische Fähigkeiten erlangt. Die Ausführungen von Spare in seinen Werken sind alles andere als klare Übungsanweisungen oder eindeutig beschriebene magische Methoden, man muss sich alles selbst erarbeiten, Hinweise zur Vorgangsweise finden sich in der neueren magischen Literatur.

Mehr über die Methoden von A. O. Spare

Autonome Magie

Als autonome Magie bezeichne ich die Kombination folgender Methoden:
Nonduale (formlose) Meditation und nonduale tantrische Praxis, diese hat zwar eine Form und ein Ziel, enthält aber trotzdem immer eine Ebene des Geistes, die undifferenziert ist, formlos und leer, ohne Rein und Unrein.
Entitätenfreie Magie, unabhängig von jeder Form von religiösem Kult, welcher wenn überhaupt nur zu einem klar definiertem Zweck betrieben wird.
Solitäre Magie, dem Gewinnen magischer Kraft durch eigene Bemühung, ohne eine "Übertragung" dieser Kraft durch eine andere Person zu erwarten.
Naturmagie, welche immer auf intensivem Kontakt zur Natur beruht.
Autonome Magie wird wie jede wirkliche Kunst von jedem Individuum, welches sie praktiziert, völlig neu ausgedrückt.



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