helmut poller tantra wien
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Die Wirkung tantrischer Praxis erforschen


Alle Tantras beschreiben ausgefeilte, anspruchsvolle Übungswege und sie beschreiben die Resultate, die durch diese Übungen erlangt werden. Innerhalb der Überlieferungstraditionen ist es nie üblich gewesen, die Wirksamkeit der Übungen zu messen oder auf andere Weise zu untersuchen, sie galt als selbstverständlich. Das waren autoritäre Systeme, die nie mit den Ideen der europäischen Aufklärung oder der Idee der Erforschung der Wirkung bewusstseinserweiternder Techniken in Berührung gekommen sind. Jeder indische Guru, jeder tibetische Lama kann stundenlang mit großer Begeisterung erzählen, was für großartige Wunderkräfte die alten Meister dank ihrer Übungen zu entfalten pflegten, wobei die größten Wunderkräfte stets bei den ältesten Meistern zu finden sind. Doch wozu sollen wir Heutigen eine Übungsdisziplin auf uns nehmen, wenn die beschriebenen Resultate nur in der Vergangenheit erreicht worden sind?

Genau hier sollte Wirkungsforschung ansetzen. Es geht überhaupt nicht um Wunderkräfte, es geht um geistiges Wachstum, die umfassende Entwicklung von intellektuellen, kreativen und emotionellen Fähigkeiten, auch um die Erfüllung unserer Wünsche auf der „weltlichen“ Ebene. Wirkungsforschung erfordert Zielsetzungen und Ergebniskontrolle, von einem Geistestraining sollten wir wohl ähnlich definierte Ergebnisse erwarten wie von einem sportlichen Training. Wir setzen uns ein Ziel, machen Übungen, um dieses Ziel zu erreichen. Nach einiger Zeit kontrollieren wir, ob wir das Ziel erreicht haben oder uns ihm genähert haben. Wenn wir unser Vorgehen dokumentieren und uns mit anderen austauschen, die ähnlich vorgehen, können wir allmählich auf gültige Erfahrungswerte zurückgreifen. Ich rede nicht davon, dass Gehirnströme Meditierender sich während der Meditation verändern (was für Meditierende keine Überraschung darstellt), mich interessiert, was nach der Meditation geschieht, wenn sie immer wieder geübt wird, nach tantrischem Yoga, nach tantrischem Ritual, was dauerhaft als Folge der Übung bleibt. Wirkungsforschung in diesem Sinn bezüglich spiritueller Übungswege hat noch nicht einmal richtig begonnen, es ist mir klar, dass diese Andeutungen kein Forschungsprogramm darstellen. Gute Forschung beginnt mit einer guten Frage.



Sarasvati, die Göttin des Lernens und der Künste, gemalt von Bhagamalini, private Sammlung

Die Tantras beschreiben nicht nur die Resultate von Übungen, die Praxis führt tatsächlich zu diesen Resultaten hin. Das konnte ich durch eigene Erfahrung feststellen, später auch durch die Erfahrungen meiner Studentinnen und Studenten, die lang genug Übungen ausführten, die sie von mir oder Anderen aus den Quellen der Tantras erhielten. Ähnlich wie heute Pharmakologen auf das Heilkräuterwissen von Völkern im Amazonasgebiet zurück greifen (welches hunderte noch unerforschte Pflanzen umfasst), sollten wir versuchen, das in den Tantras enthaltene Wissen um bewusstseinserweiternde Techniken zu verstehen. Das gleiche gilt für das (körperliche) Yoga, hier gibt es schon einige Forschung, diese Technik ist aber viel leichter zu beobachten als innere geistige Vorgänge.

Es handelt sich um Kulturgut der Menschheit, und es ist schwer gefährdet, in Vergessenheit zu geraten. Eine tantrische Übertragungslinie beruht darauf, dass die Methoden von Generation zu Generation weiter vermittelt werden, viele solche Linien sind bereits ausgestorben oder nur noch in Texten beschrieben. Sehr bedauerlich ist auch, dass in europäischen Gruppen des tibetisch geprägten tantrischen Buddhismus eine durchgängige Ignoranz gegenüber Wirkungsforschung herrscht. In vielen Gruppen gilt es als regelrecht suspekt, Ziele und Wirkungen mit Hilfe der Praxis anzusteuern. Nach meinen ausgedehnten Beobachtungen kann man Jahre und Jahrzehnte in solchen Gruppen verbringen, ohne irgend etwas zu verwirklichen. Es gibt dort keine definierten Ziele und keine Kontrolle, ob sie auch erreicht werden, alle träumen von einer in weiter Ferne liegenden Erleuchtung, die nie jemand erreicht. Mit dem, was in den Quellen beschrieben ist, hat das nichts mehr zu tun. Dort gibt es zwar auch das Ziel der Erleuchtung, aber es gibt eine Menge viel näherer Ziele, deren Erreichung auch viel leichter überprüft werden kann, mehr darüber in den hier beschriebenen Zielen der tantrischen Praxis.

Ich möchte zusammen mit meiner Studentinnen und Studenten die Wirkungen tantrischer Praxis erforschen und mich darüber mit ähnlich interessierten Personen und Gruppen austauschen. Die Basis jeder Wirkungsforschung ist eine begleitende Dokumentation: Sie definieren schriftlich Ihre Ziele und führen ein Praxis-Tagebuch, in welches Sie Datum, Uhrzeit, Länge und Art der Praxis sowie eventuell dabei gemachte Beobachtungen eintragen. In regelmäßigen Abständen überprüfen Sie, ob und inwiefern die Ziele näher rücken oder erreicht werden. Tantra ist kein Kult, bei dem man gewohnheitsmäßig an Ritualen teilnimmt, ohne damit einen Zweck zu verfolgen, der über ein temporäres Wohlgefühl hinaus geht. Ursprüngliches Tantra ist ein präzises Geistestraining, welches in den höheren Stufen zu einem enormen Zuwachs an Wissen, Fähigkeiten und Möglichkeiten führt.


Jede Praxis beruht auf den Quelltexten der Tantras,
mehr über Erforschung dieser Quellen hier.


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